Die fleißige Susan
Diese Bilder habe ich in meinem Graphiklehrgang gemalt und es hat Angelika so inspiriert das sie gleich eine Geschichte zu meinem Bild geschrieben und sie mir geschenkt hat. Ich freu mich riesig darüber
Dankeschön liebe Angelika
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Die fleißige Susan

In einem Dorf wohnte einmal eine Müllerehepaar. Es waren fleißige und ehrliche Menschen, die auch eine wunderschöne Tochter hatten, die Susan hieß. Sie war die Freude ihrer Eltern, auch die Dorfbewohner liebten sie und nannten daher die Mühle heimlich „die fleißige Susan“.
Sonntags sah man die Müllersfamilie auch in der Kirche, an diesem Tag trug Susan ihr schönes Kleid mit einem dazu passenden Hut, dass ihre Mutter in vielen Nächten für sie genäht hatte. Eines Tages sah man im Dorf einen Fremden, der zielstrebig auf die Mühle zuging, auf seinen Schultern trug er drei schwere Säcke. Hier sah man sonst nie jemand anders, als die Menschen, die hier wohnten. Aufgeregt tuschelten die
Leute und man fragte sich, wer er wohl sei.

An der Mühle angekommen, klopfte der Fremde und Susan, die an diesem Tage allein zuhause war, öffnete ihm die Tür.
Der Fremde sprach: „ Ich hätte gern diese drei Säcke Korn zu Mehl gemahlen, kann ich
darauf warten?“
Susan erwiderte: „Kommt nur herein, es wird mir schon gelingen. In der Zeit, wo das Korn
gemahlen wird, könnt ihr euch ausruhen! Wo kommt ihr her?“

„Wir sind heute mit unserem Schiff hier in den Hafen eingelaufen, um unseren Proviantvorrat aufzufüllen“, antwortete der Fremde.
Susan bat ihn, sich zu setzen und stellte ihm einen gefüllten Krug mit glasklarem Wasser und einen Trinkbecher auf den Tisch.
„ Ich bin gleich wieder zurück, ich fühle nur das Korn ein, damit die Mühle schon mahlen kann“, sprach sie und war auch schon verschwunden.
Schon bald kam Susan zurück und während sie gemeinsam warteten, erzählte der Fremde, der sich als Marcel vorstellte, von seinen Reisen über die Meere. Susan verlor jegliches Maß für Raum und Zeit, mit verträumtem Blick sah sie den Fremden an.

Ein lautes Knarren holte sie in die Wirklichkeit zurück, die Mühle stand still. Nun gingen beide in den Mehlraum und der Fremde half Susan, die Säcke zu fühlen. Dann bezahlte er, lud sich die drei Säcke wieder auf die Schultern, hob seine Hand zum Gruß und ohne ein Wort ging er davon. Susan wunderte sich noch über die Stärke dieses Mannes, noch nie hatte sie so etwas gesehen. Die Dorfbewohner kamen immer mit ihren Eselkarren um ihr Mehl abzuholen.

Als die Eltern abends nach Hause kamen, erzählte Susan ihnen von dem Fremden und dabei lag ein zartes Lächeln auf ihren Lippen. Die Eltern staunten nicht schlecht, denn so hatten sie ihre Tochter noch nie erlebt.

Seit diesem Tag war alles anders, Susan stand jeden Tag am Strand und schaute den
Schiffen hinterher. Sonntags ging sie sofort nach dem Gottesdienst zum Strand, mit einem kleinen Blumenstrauß in der Hand. Die Blumen legte sie aufs Wasser und sprach leise:
„ Schwimmt zu ihm und sagt ihm, dass ich bald zu ihm komme!“ Den Eltern blieb es nicht verborgen, dass mit Susan etwas geschehen war, da sie nur noch verträumt durch den Tag lief.

Eines Tages sprach Susan zu ihrem Vater: „Vater, ich möchte in die Welt hinaus, um Marcel wieder finden, der mein Herz gefangen nahm!“
Der Vater wurde traurig, unter Tränen bat er Susan, doch zu bleiben. „Du weißt nichts über diesen Marcel, nicht, wo er wohnt und wie er lebt!“ sprach er zu Susan. „Doch“, antwortete Susan, „ ich weiß den Namen seines Schiffes, danach werde ich suchen und in jedem Hafen fragen!“

Schließlich kam ihre Mutter ihr zu Hilfe. Sie sprach zu ihrem Mann:
„ Lass sie reisen, wir geben ihr unseren Burschen Hannes mit, der kann auf sie aufpassen und es wird ihr nichts geschehen!“

Damit war der Vater einverstanden. Die Vorbereitungen für die Reise wurden getroffen und schon war der Tag gekommen, an dem Susan und Hannes auf Schiff „Dream“ ihre kleine Welt verließen, um den Fremden zu finden.

Nachdem sie 14 Tage auf hoher See verbracht hatten, legte das Schiff in dem Hafen der Stadt Wunderträume an, um Vorrat zu laden. Susan und Hannes nutzten die Gelegenheit, zu einem kleinen Landausflug. Die Stadt war sehr schön und die Menschen trugen bunte Kleider, alle begrüßten die
Fremden sehr freundlich, leider hatten sie von einem Schiff, dass den Namen „Wildrose“ trug, noch nie etwas gehört, es auch noch nie gesehen.

Die Zeit verflog im Nu, Susan wollte noch viel sehen, aber Hannes erinnerte sie daran, dass sie zum Hafen zurück mussten.
Beim Schiff angekommen, sagte der Kapitän: „Wenn ihr mit mir weitersegeln möchtest, müsst ihr bezahlen!“ „Das ist kein Problem“, erwiderte Susan, „ich hole schnell meine Geldbörse“.

Kurz darauf hörte man einen lauten Schrei, Hannes sauste nach unten und fand die weinende Susan in ihrer Kajüte.
„ Hannes, mein Geld ist weg, man hat uns bestohlen!“
Hannes wollte es nicht glauben, zusammen mit Susan durchsuchten sie noch einmal alles, aber es blieb dabei, das Geld war verschwunden.
Der Kapitän wusste auch keine Erklärung dafür, sie mussten dennoch das Schiff verlassen, da er sie ohne Geld nicht mehr mitnehmen wollte.

Allein in dem fremden Land wussten sie nicht, wo sie hingehen sollten und die Nacht brach auch schon herein.
„ Komm Susan, wir legen uns dort unter den großen Baum“, sprach Hannes, „dort werden wir die erste Nacht verbringen, morgen sehen wir weiter!“
Susan war viel zu traurig, um einen eigenen Entschluss zu fassen und so folgte sie Hannes. Sie aßen noch ein wenig vom dem Brot, dass ihnen der Kapitän überlassen hatten, dann legten sie sich nieder und waren auch schon bald eingeschlafen.

Susan träumte in dieser Nacht von einem schönen Haus, umgeben von einer großen Wiese, auf der wilde Blumen wuchsen, darauf spielte ein kleines Kind.

Am nächsten Morgen erzählte Susan Hannes von ihrem seltsamen Traum und sie fragte ihn: „Sollen wir dieses Haus suchen, vielleicht wohnt dort jemand, der uns helfen kann“.
Hannes war damit einverstanden und so liefen sie den ganzen Tag durch die Stadt, um das Haus zu finden, das Susan im Traum gesehen hatte.
Der Tag ging schon zu Ende, Hannes und Susan wollten schon entmutigt aufgeben, als sie hinter einer Hecke das Haus liegen sahen.
Sie freuten sich sehr und liefen auf das Haus zu. Die Tür öffnete sich, ohne dass die beiden geklingelt hätten, heraus trat eine schöne Frau.

„Was kann ich für euch tun?“, fragte sie die beiden, „kommt doch herein und erfrischt euch ein wenig“.

Hannes und Susan erzählten nun von ihrem Pech und fragten die Frau, ob sie wisse, wo man in diesem Land Arbeit bekommen würde, damit sie für die Weiterfahrt Geld verdienen könnten.

„Nun, das trifft sich gut,“ erwiderte sie, „ ich suche ein Kindermädchen für meine kleine Lurie, auch müsste mein Garten neu bestellt, die Bäume geschnitten und der Rasen gemäht werden. Hinter dem
Haus liegt ein kleiner Schuppen, dort könnt ihr schlafen“.

Nachdem sie noch über den Lohn gesprochen hatten, gingen die beiden zum Schuppen. Dort fanden
sie ein großes Bett, dass mit Stroh gefüllt war. Sie machten es sich gemütlich und schon bald schliefen sie ihrem neuen Leben entgegen.

In den nächsten Wochen arbeiteten sie fleißig, Susan als Kindermädchen und Hannes als Gärtner.

Nichts trübte ihre Tage, sie sparten eisern, um bald wieder auf die große Reise zu gehen. Nach einiger Zeit hatten Susan und Hannes genug gespart, sie nahmen Abschied von der
Familie und fuhren mit dem Schiff „Hoffnung“ in die weite Welt hinaus.

Eines Tages, nach einer stürmischen Nacht auf hoher See, kamen sie in den Hafen der
Stadt „Immergrün“. Auch hier fragten sie nach dem Schiff und tatsächlich wusste ein
Hafenarbeiter, wem das Schiff gehört und wo die Mannschaft wohnt. Er beschrieb ihnen
den Weg und voller Freude zogen die beiden davon.

Nach einiger Zeit kamen sie durch ein Dorf, wo gerade Markttag war. Susan sprach zu
Hannes: „Komm, lass uns etwas Obst kaufen, wer weiß, wie weit wir noch laufen müssen, so können wir unterwegs etwas essen!“ Hannes war damit einverstanden.

Plötzlich flüstere Susan: „Hannes, schau doch dahinten, da steht der Marcel, den wir schon so lange suchen“. „Dann lass uns zu ihm gehen“, erwiderte Hannes. Nun zögerte Susan auf einmal, doch Hannes zog sie mit sich und als sie noch ein paar Schritte von ihm entfernt waren, drehte der Mann sich um.
Er erkannte Susan sofort, lief auf sich zu, nahm sie in seine Arme und wirbelte sie durch die
Luft. „Du bist zu mir gekommen“, rief er voller Freude, „in ein paar Monaten wäre ich zu dir auf
die Reise gegangen, zu groß war meine Sehnsucht.“ Susan war so glücklich und zu dritt gingen sie zu dem Dorf, indem Marcel wohnte. Es gab soviel zu erzählen, es war schon tiefe Nacht, als die drei sich schlafen legten.

Am nächsten Tag wurde beschlossen, dass Hannes die Eltern von Susan holen solle und sie dann alle für immer im Dorf Immergrün bleiben würden.
Nach einem Jahr heiratete Marcel seine schöne Susan. Bald war ihr Haus mit hellem Kinderlachen erfüllt und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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Geschichte © A. Schütze - Grafiken © ich, B.Münse