Teil 1
Wieder einmal steht er oben auf dem Berg und schaut hinab in Tal.
Er liebt dieses Tal, verbinden sich doch so viele schöne Erinnerungen damit.
Wohnt doch in diesem Tal seine Prinzessin, die er über alles liebt.
Doch heute, hat er Tränen in den Augen, als er hinterblickt.
So vieles hat sich verändert in der letzten Zeit.
Er hatte so lange gesucht, bis er endlich diesen wunderschönen Ort gefunden und beschlossen hatte, sich hier niederzulassen.
Einst war das Tal ein Ort voller wundersamer Geheimnisse, die seltensten Pflanzen wuchsen dort und in der Luft lag ein seltsames surren welches von den Flügeln der zarten Elfen herrührte die durch die Gegend schwirrten.
Wenn man ganz still war, konnte man sogar ab und an ein Einhorn erblicken, wenn es aus dem Wald hervortrat.
Lange erforschte er das Tal, doch als er auf einmal auf seinen Streifzügen die wunderschöne Prinzessin erblickte, wusste er, das war der Ort den er immer gesucht hatte.
Er baute sich also oben am Berg eine kleine Hütte, damit er die zauberhafte Aussicht genießen konnte die sich seinen Augen darbot.
So oft es ging, stieg er hinab und freundete sich bald mit allen Bewohnern des Tales an und wurde mit der Zeit ein Teil von ihnen.
So kam es dann auch, das er die Prinzessin immer öfter sah und im laufe der Zeit entwickelte sich eine tiefe, brennende Liebe und Sehnsucht in beiden.
Leider fand keiner der beiden den Mut, diese heimliche Liebe die sie zueinander entwickelt hatten einzugestehen, aus Angst, zu zerstören was sie ineinander gefunden hatten.
Si war es dann nach einiger Zeit das die Prinzessin sich ein Herz fasste und den Jungen ihre Liebe vorsichtig gestand.
Er war überglücklich, denn er wusste tief in sich, das er niemals den Mut gefunden hätte da zuviel für ihn auf dem Spiel stand.
Sie verlebten eine traumhafte Zeit voller Liebe und Leidenschaft. Er verließ seine Hütte am Berg oben und wohnte von nun an in der Prinzessin Märchenschloss.
Er war ihr König geworden und sie seine Königin, die Herrscher über dieses Zaubertal.
Er schwor sich sie immer zu beschützen vor allem Ungemacht, doch langsam, unbemerkt wurde aus dem beschützen ein besitzen und so änderte sich auch das Bild im Tal.
Das nie mehr ein Einhorn zu sehen war, viel den beiden gar nicht weiter auf, doch als auch das surren in der Luft verstummte und die Elfen das Tal verließen merkten sie auf, denn nun ließen sich stattdessen die ersten Wölfe im Tal nieder und die beiden waren sehr erschrocken ob der Veränderungen.
Er hatte sich sehr verändert und auch seine Prinzessin war nicht mehr die selbe.
Immer öfter war sie still und in sich gekehrt, eine seltsame, bleierne Traurigkeit lag in der Luft.
In seiner Not wandte er sich an einen alten Zauberer der nun auch im Tal lebte und bat ihn um Hilfe.
Was er allerdings in seiner Angst übersah, der Zauberer war der böse Wolf, der Nachts still durch das Tal schlich und er war dem Jungen keineswegs wohlgesonnen.
Durch den Zauber den der Alte aussprach, begannen beide sich immer weiter zu verändern.
Sie sah den Jungen mit anderen Augen und zweifelte jeden Tag mehr an seiner Liebe zu ihr.
Er hatte seine Fröhlichkeit verloren und besaß plötzlich die Gabe das alles was er unbedacht berührte zu Stein erstarrte.
Immer häufiger zog sie sich von ihm zurück und lebte in ihrer eigenen Welt, in der er nur noch einen kleinen Platz einzunehmen schien.
Geplagt von Selbstzweifel lebten sie ihr Leben, und ihm gelang es immer öfter sie mit Worten und Taten zu verletzen.
Der alte Zauberer jedoch, überwachte sein Werk stilllächelnd und zufrieden.
Langsam begann das Tal sich weiter zu verändern, die Bäche und Flüsse froren zu und selbst der kleine See an dem sie einst noch mit Feuersalamander spielten war verschwunden.
Ihre Herzen vereisten immer mehr und nur selten gelang es ihm ihr Herz wenigstens ein klein wenig zu erwärmen.
So hat er sich in vielen Schlaflosen Nächten gefragt, wie er den Zauberer sein Handwerk wieder legen konnte und wie er ihr Herz wieder zurückerobern könnte.
Keine Antworten fand er auf beide Fragen die sein Herz so bewegten und so steht er traurig und einsam am Berg und betrachtet sein einst so zauberhaftes Tal.
Sein Tal, in dem seine Prinzessin lebt die er über alles liebt und für die er alles geben würde.
Jeden Morgen ist er auf der Suche nach dem Regenbogen der das Tal einst umspannte,
jeden Tag versucht er die Wolken zu vertreiben die sich vor sie Sonne geschoben habe.
Doch ist er sich selbst nicht sicher, ob er die Kraft dazu aufbringen wird, denn seine Flügel scheinen lahm obwohl in seine Liebe zu ihr täglich antreibt unmögliches zu versuchen.
So lebt er weiter, mit all seiner Hoffnung und den glauben an die endlose Liebe.
© Idefixx
Der Junge und die Prinzessin
Teil 2
Viele Monde waren im Tal vergangen,
als der Sonnenaufgang wieder einmal den Jungen am Rande seines einst so blühenden Tales erblickte.
Doch wie hatte es sich verändert,
das einst strahlende Grün der Wiesen ist verblasst,
zurückgeblieben ist eine Wüste aus Steinen, die staubbedeckt das ganze Tal überzieht.
Die mächtigen Wälder am Rande sind verkümmert und die verdorrten Bäume streckten anklagend ihre leeren Äste gegen den Himmel.
Kein Farbtupfer unterbricht das Grau des Tales und man hört nur noch das traurige heulen der Wölfe bei Nacht.
Traurig blickte er sich um und in seinem Herzen ist eine große Trauer ob der Veränderungen die sich überall breit gemacht hat.
Seine Prinzessin ist wie das Tal geworden,
freudlos.. traurig.. melancholisch..
und auch in seinem Herzen sitzt der Kummer und die Angst sehr tief.
Aufseufzend macht er sich wieder auf den Weg in sein Schloss,
das ihm mittlerweile wie ein Gefängnis erscheint und nicht mehr wie der Traum den er einst erleben durfte.
Tief in Gedanken versunken, sucht er immer noch einen Weg den bösen Zauber zu brechen um wieder das fröhliche Lachen, die herrlichen Wiesen und die Einhörner erleben zu können.
All das fehlt ihm schrecklich und seine Seele weint täglich bittere Tränen darum.
Plötzlich hält er ein und verhält seinen Schritt..
Beinahe hätte er es übersehen..
Beinahe hätte er es zertreten..
Ein Pflänzchen erblickt er..
Zart, feines Grün und eine winzige Blüte in Blutrot.
Andächtig geht er in die Knie und betrachtet verwundert dieses Blümchen,
das allen Widrigkeiten zum trotze,
dort leise und still vor sich hinblüht.
Schon war er im Begriff es zu pflücken, um dieses ach so kleine Glück mit zu sich nach Hause zu nehmen,
als er es sich anders besinnt.
Wenn schon ich nicht in Farben und Lachen leben kann so denkt er sich,
so soll auf alle Fälle diese kleine Blume hier blühen und an nichts darben.
Schnell eilt er nun nach Hause um Wasser für das Pflänzchen zu holen, damit es nicht darben muss. Vorsichtig goss er es und genoss den Anblick der sich entfalteten Blätter.
Lange saß er da und blickte das Pflänzchen an
und etwas getröstet im Herzen machte er sich auf den Heimweg,
immer in Gedanken an die kleine Blume, die dort so einsam am Wegesrand stand.
Nacht senkte sich über sein Tal und er schrak bei dem starken Donnern das er vernahm in seinem Bett hoch.
Ein Sturm fegte wie so oft durch sein Tal und das Donnern und Blitzen lies die Nacht Taghell erscheinen.
Schon wollte er sich wieder niederlegen, als er erschrocken an das Blümchen dachte,
das dort schutzlos dem Himmelsgewalten ausgesetzt war.
Schnell zog er sich einen Mantel über und machte sich durch den Sturm auf den Weg dorthin.
Dort angekommen, hielt er verblüfft inne
schien doch der Sturm dem Blümchen nicht zu schaden,
trotz der Zartheit der Pflanze beugte es sich im Sturm und richtete sich jedes Mal wenn er nachließ wieder in alter Stärke auf.
Versonnen saß er nun dort im Regen und betrachtete das Blümchen, das so zart schien und doch so stark war das es seinen Schutz nicht nötig hatte.
Lange betrachtet er den Kampf gegen den Sturm und bei Morgengrauen erhob er sich und trat den Rückweg wieder an.
Von dem Tag an, besuchte er jeden Tag sein Blümchen,
betrachtete es wie es wuchs und gedeihte,
freute sich über jedes neue Blatt das er sah,
hegte es mit Liebe und pflegte es sanft.
So gingen viele Monde ins Land und aus dem Pflänzchen wurde ein kräftiger Busch der viele Blüten trug und jedem noch so schlimmen Wetter trotze.
Der Junge saß täglich bei ihm, erzählte ihm sein Leid und jedes Mal hatte er das Gefühl das dieser blühende Strauch das einzige Wesen im Tal wäre das ihn noch verstand.
Langsam .. unbemerkt von dem Jungen,
der so tief in sein Leid versunken war,
ging wieder eine Veränderung vor.
Langsam fingen die Bäume an zarte Knospen zu tragen,
die Seen begannen aufzutauen
und die Wölfe zogen sich aus den für sie nun unbewohnbaren Tal zurück.
Als er wieder einmal vor dem Busch saß und seinen traurigen Gedanken nachhing,
kam ein Sturm auf und Hagel überströmte ihn und seinen geliebten Busch.
Mit Tränen in den Augen sah er die Blätter fallen und sie umgaben ihn wie einen Teppich aus Blut.
Als er eben seinen Mantel um den Busch legen wollte um die kümmerlichen Reste zu schützen, erhob sich ein Windstoß und trieb die Blätter einer Fontäne gleich in den Himmel, wo sie sich mit dem Tosenden Wind vereinigten.
Sprachlos und entsetzt starrte er in den Himmel und weinte bitte Tränen um den Verlust.
Doch.. was sahen seine Augen da
Aus dem Sturm heraus schwang sich ein gewaltiges Wesen,
glutrot und in den Farben von Feueropalen schimmerte es und landete direkt vor seinen Füßen.
Ich bin Accognoscere ,
der Drache der Erkenntnis und des Einsehens.
Deine Taten haben mich gerufen und ich habe dich lange Zeit in Form eines Busches hier beobachtet um dich kennen zu lernen.
Immer noch sprachlos starrte er das Wesen an das da vor ihm stand..
aber warum brachte er schließlich heraus.. warum kommst du zu mir?
Weil so sprach er, jede Liebe eine zweite Chance verdient hat und ich kam um zu prüfen ob du gelernt hast aus deinen Fehlern.
Einst wolltest du beschützen und hast doch nur besitzen wollen,
einst hörtest du nicht und sahst nicht was um dich herum vor ging.
Nun aber, bist du gereift und hast erkannt das man Schönheit nicht besitzen kann,
man kann sich daran erfreuen,
so wie du es mit dem Pflänzchen getan hast.
Du hast es nicht gepflückt und wolltest es besitzen .. nein..
du hast es betrachtet.. gesprochen mit ihm und dich ob seiner selbst erfreut.
Du warst glücklich das es existierte ohne das es dir gehörte und hast es gehegt und gepflegt und dir Sorgen darum gemacht.
Darum nun, ist dir eine zweite Chance für deine Liebe erteilt worden,
denn alles was man im Leben tut,
fällt auf einen zurück.
Schau dich um sprach er weiter,
dein Verhalten hat schon viele Veränderungen im Tal herbeigeführt und es beginnt sich langsam wieder in dein geliebtes Zaubertal zurück zu verwandeln.
Nun lebe weiter hier, besinne dich auf die wichtigen Dinge im Leben,
Liebe deine Prinzessin und versuche niemals wieder sie zu besitzen,
dann wird dir das Glück ein Leben lang treu werden.
Von nun an hast du dein Leben wieder selbst in der Hand,
gehe nach Hause und du wirst deine Geliebte vorfinden,
es wird noch einige Zeit dauern bis der böse Zauber auf immer gebrochen ist,
aber die Zeit wird eure Seelenwunden heilen.
Denke immer daran,
die Liebe wird von zarten Schwingen getragen
und so stark sie auch sind in der Not
wie leicht
können sie gebrochen werden.
Mit diesen Worte ließ er den Jungen stehen und erhob sich auf mächtige Flügel in den Himmel.
Zurück blieb..
ein Mann der aus Erfahrungen gelernt hatte um niemals wieder die selben Fehler zu begehen.
Erstarkt im Herzen machte er sich auf den Heimweg, um seiner Königin zu zeigen, das er im Laufe der Zeit gelernt hatte und sein Wesen verändert hatte.
So werden sie noch heute in ihrem Schloss leben, werden sich zanken und werden sich streiten, aber werden niemals vergessen das Liebe
ein stetiges geben und nehmen ist
und das stärkste Band auf Erden
Ende
© Aquamarin 20.05.03
von © Idefixx und © Aquamarin